Ein Webdesign-Projekt beginnt mit einem Briefing. Bei manchen Anbietern ist das ein zweitägiger Workshop, bei anderen ein loses Gespräch, das sich über mehrere Termine zieht. Bei uns ist es eine strukturierte Stunde am Telefon oder per Videocall. Das klingt nach wenig — ist aber bei den meisten Projekten genau richtig. Hier erklären wir, wie das geht.
Was wir im 60-Minuten-Briefing konkret abfragen
Unser Briefing folgt einem klaren Ablauf. In sechs Blöcken à 10 Minuten klären wir alles Wichtige:
Block 1 (10 Min) — Unternehmen und Zielgruppe
- Was macht Ihr Unternehmen konkret?
- Wer sind Ihre typischen Kunden?
- Was unterscheidet Sie von Wettbewerbern?
- In welchem Marktumfeld bewegen Sie sich?
Block 2 (10 Min) — Ziele der Website
- Was soll die Website konkret erreichen?
- Was ist der wichtigste Call-to-Action?
- Welche Aktionen sollen Besucher als Nächstes ausführen?
- Wie messen Sie Erfolg?
Block 3 (10 Min) — Inhalte und Struktur
- Welche Inhalte haben Sie bereits?
- Welche Sektionen braucht die Website?
- Welche Unterseiten sind nötig?
- Welche Pflichtangaben (Impressum, Datenschutz)?
Block 4 (10 Min) — Visuelle Richtung
- Welche Websites gefallen Ihnen, welche nicht?
- Gibt es eine bestehende Corporate-Design-Vorgabe?
- Welche Farben, Schriften, Bildstile passen?
- Gibt es Elemente, die Sie unbedingt wollen (oder vermeiden)?
Block 5 (10 Min) — Technik und Rahmen
- Hosting-Präferenz?
- Wer pflegt die Website nach Live-Gang?
- Rechtliche Besonderheiten (DSGVO, Barrierefreiheit)?
- Termin-Wünsche?
Block 6 (10 Min) — Verantwortlichkeiten und nächste Schritte
- Wer ist Ihr Ansprechpartner?
- Wer trifft die Design-Entscheidungen?
- Wer liefert Inhalte wann?
- Wie läuft die Freigabe?
Nach diesen sechs Blöcken haben wir genug Informationen für einen vollständigen Entwurf. Kein Workshop-Marathon nötig.
Warum längere Briefings oft kontraproduktiv sind
Das mag kontraintuitiv klingen — aber lange Briefings verbessern das Ergebnis selten. Hier vier Gründe:
Erstens: Entscheidungsmüdigkeit. Wenn Sie fünf Stunden lang über Ihre Website sprechen, werden die Antworten am Ende schlechter als am Anfang. Niemand kann über fünf Stunden hinweg konsistent und präzise formulieren, was er will.
Zweitens: Überdetaillierung. In einem langen Workshop werden Details geklärt, die in der Umsetzung ohnehin noch einmal überdacht werden. Das ist doppelte Arbeit.
Dritttens: Scope-Explosion. Je länger Sie über eine Website sprechen, desto mehr Ideen kommen dazu. „Oh, das wäre auch schön" — und plötzlich ist aus einer 8-Sektionen-Site ein 25-Sektionen-Monster.
Viertens: Analyse-Paralyse. Lange Briefings versuchen oft, vor dem Start alle Fragen zu beantworten. In der Praxis merkt man manche Fragen erst, wenn man den ersten Entwurf sieht. Dann sind sie einfacher zu beantworten als im Vorfeld.
Ein gutes Briefing klärt die wichtigsten Entscheidungen — nicht alle Details. Die Details ergeben sich im Prozess.
Welche Vorbereitung Sie als Kunde leisten sollten
Damit die 60 Minuten reichen, brauchen wir, dass Sie einige Punkte vorher für sich geklärt haben:
- Ein klares Ziel für die Website — eine Antwort auf „Warum machen wir das eigentlich?"
- Eine Vorstellung Ihrer Zielgruppe — nicht generisch „alle Kunden", sondern konkret
- Grobes Inhaltsgefühl — welche Texte haben Sie, welche fehlen
- Logo und Corporate-Farben (falls vorhanden) — oder zumindest eine Aussage, dass beides neu entstehen muss
- Pflichtangaben — Firmenname, Anschrift, Telefon, E-Mail, Steuer-Daten
- Ansprechpartner — eine Person, die entscheiden kann
Wenn Sie mit diesen sechs Punkten ins Briefing kommen, reicht eine Stunde. Wenn Sie bei mehreren Punkten unsicher sind, brauchen wir eventuell einen Folgetermin — oder wir klären während des Briefings gemeinsam, was Sie wirklich wollen.
Was wir nach dem Briefing schriftlich festhalten
Nach jedem Briefing erstellen wir ein Protokoll. Das ist keine formelle Präsentation, sondern eine strukturierte Zusammenfassung, die Sie als Referenz behalten. Es enthält:
- Unternehmen und Zielgruppe (Kurzbeschreibung)
- Ziele der Website (priorisiert)
- Lieferumfang (konkrete Liste aller Sektionen und Funktionen)
- Visuelle Richtung (Farbpalette, Schriften, Stil-Beschreibung)
- Inhalte (was von Ihnen kommt, was von uns)
- Technik (Hosting, Performance-Ziele, DSGVO)
- Termine (Wochenplan mit verbindlichen Daten)
- Verantwortlichkeiten (wer macht was)
- Festpreis (aufgeschlüsselt, keine versteckten Posten)
Dieses Protokoll ist Ihr Vertrag. Alles, was drinsteht, ist Teil des Projekts. Alles, was nicht drinsteht, gehört in ein separates Angebot, falls es später dazukommen soll.
Wann ein zweiter Termin sinnvoll ist
Manchmal reicht eine Stunde nicht. Dann setzen wir einen zweiten Termin. Typische Fälle:
- Sie sind nicht alleiniger Entscheider: Wenn die finale Zusage von einer weiteren Person abhängt, die nicht im ersten Briefing dabei war, klären wir das im zweiten Termin.
- Sie wollen mehrere Optionen für die visuelle Richtung besprechen: Manchmal braucht es eine Nacht Schlaf, um sich zwischen „professionell-seriös" und „modern-jung" zu entscheiden.
- Komplexer Sonderbedarf: Wenn Sie besondere Funktionen wollen (Buchungssystem, Online-Shop, Mehrsprachigkeit), brauchen wir einen zweiten Termin für die technischen Details.
Diese Fälle sind Ausnahme, nicht Regel. In mindestens 80 Prozent aller Projekte reicht eine Stunde.
Was nach dem Briefing als Nächstes passiert
Nach dem Briefing starten wir direkt. Sie bekommen innerhalb von zwei bis drei Werktagen das schriftliche Protokoll. Darin steht der Projekt-Zeitplan mit verbindlichen Terminen. In der zweiten Woche präsentieren wir den ersten Entwurf auf einer Vorschau-URL. Ab diesem Moment können Sie sich jederzeit den aktuellen Stand ansehen.
Der große Vorteil des kompakten Briefings: Sie investieren eine Stunde Ihrer Zeit, bekommen dafür ein komplett durchdachtes Projekt. Keine mehrtägigen Workshops, keine Abstimmungs-Marathons, keine Sprint-Retros. Eine Stunde Fokus, dann arbeiten wir.
Wenn Sie das erste Mal von einem 60-Minuten-Briefing hören und skeptisch sind, ob das reichen kann — testen Sie es einfach. Die meisten Kunden sind überrascht, wie viel in einer strukturierten Stunde geklärt werden kann. Und wie angenehm es ist, nicht wochenlang in Workshops zu sitzen.